Klasse 4

Klasse 4 inkl. der Unterklassen 4.1, 4.2, 4.3

Die Klasse 4 ist eine sehr umfangreiche Klasse, da sie von sich in drei Unterklassen die im Landverkehr als eigenständige Klassen betrachtet werden, unterscheidet.

Die (Unter-)Klasse 4.1 beinhaltet: entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe, desensibilisierte explosive Stoffe, sowie polymerisierende Stoffe. Die (Unter-)Klasse 4.2 beinhaltet die selbstentzündliche Stoffe. Und die (Unter-)Klasse 4.3 beinhaltet Stoffe die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln.

Der Transport von Gefahrgut der Klasse 4 ist eine absolute anspruchsvolle Tätigkeit. Die Gefahren sind vielfältig. Und dadurch, dass es sich oft um Abfälle handelt, kann auch nie 100%ig gesagt werden, dass keine zusätzlichen Gefahren auftreten. Leider werden oft andere Produkte genau so in diese Tonnen für die Klasse 4.1 bzw. 4.2 hineingeworfen.

(Unter-)Klasse 4.1

  • entzündbare feste Stoffe
  • selbstzersetzliche Stoffe
  • desensibilisierte explosive Stoffe, sowie
  • polymerisierende Stoffe

Entzündbare feste Stoffe:

Dazu zählen Stoffe die sich leicht durch Reibung entflammen lassen. Das bedeutet dass ein kurzer Kontakt mit einer Zündquelle diesen Stoff bereits anzündet. Ausserdem ist die Abbrandzeit weniger als 45 Sekunden. Zu welcher Verpackungsgruppe ein Stoff der Klasse 4.1 gehört, hängt davon ab ob eine Flamme eine durchfeuchtete Zone durchbricht, oder mindestens 4 Minuten zurückgehalten wird.
Typisch für die Klasse 4.1 sind mit Öl, Benzin oder Reinigungsmitteln verschmutzte Putzfetzen die in Autowerkstätten und anderen Maschinenbautechnischen Firmen anfallen. Diese werden meistens in Fässer gesammelt (1H2 – Fass mit abnehmbaren Deckel) und können der UN Nummer 3175 zugeordnet werden.

Selbstzersetzliche Stoffe:

Dabei handelt es sich um thermisch instabile Verbindungen, die auch ohne Luft, bzw. Sauerstoff eine exotherme Selbstzersetzung beginnen können. Diese Selbstzersetzung kann durch Wärme von aussen, oder einschliessen anderen Materialien ausgelöst werden. Viele dieser Stoffe müssen Temperaturkontrolliert befördert werden. Dazu gibt es im Gefahrgutrecht die Angabe des SADT. Oft ist es allerdings möglich so einen Stoff zu verdünnen und somit zu desensibilisieren.

Desensibiliserte explosive feste Stoffe:

Diese Stoffe sind oft angefeuchtet, wodurch die explosive Eigenschaft gehemmt wird. Durch das Wasser im Stoff wird die Explosionsfähigkeit phlegmatisiert. Dadurch ist ein sicherer Transport möglich.

Polymerisierende Stoffe:

Dabei handelt es sich um Stoffe die zur Bildung, von grösseren Molekülen (Makromoleküle) bis hin zu hoch vernetzten Polymeren, neigen. Da diese Polymerisation stark exotherm verläuft, besteht die Gefahr einer Überhitzung und der Selbstentzündung. Hier gibt es in den Regelwerken die Angabe der SAPT zur Kontrolle der Gefahr.

(Unter-)Klasse 4.2

  • selbstentzündliche Stoffe

In dieser Klasse werden so genannte pyrophore d.h. selbstentzündliche & selbsterhitzungsfähige Stoffe und Gegenstände zusammengefasst. Zu den Selbstentzündlichen gehören Flüssigkeiten Gemische oder Stoffe die sich in Verbindung mit Luft binnen 5 Minuten selbst entzünden. Zu den Selbsterhitzungsfähigen zählt man Gemische oder Stoffe, die warm bzw. heiss werden, sobald Luft vorhanden ist. Werden mehrere Kilogramm dieser Stoffe dem Luftsauerstoff ausgesetzt oder dauert die Zufuhr von Luft über Tage, kann sich auch so ein Stoff selbst entzünden.

Interessanterweise schreibt die Zeitschrift Gefahr/gut in der Ausgabe 12/2020 dass zu diesen Stoffen auch selbstwärmende einlegen Sohlen gehören. Zitat: „Ein Gegenstand, bei dem unweigerlich nicht im ersten Moment an Gefahrgut gedacht wird, sind selbstwärmende Einlegesohlen, welche in der Karten Jahreszeit im Einzelhandel angeboten werden. Sie enthalten Eisenpulver,Wasser, Aktivkohle, Vermiculite und Natriumchlorid und sind paarweise luftdicht in Kunststofffolie eingeschweisst. Wird nun die Folie geöffnet, kommt es zur Oxidation des Eisenpulvers durch den Luftsauerstoff, was mit einer Erwärmung der Sohlen einhergeht. Aufgrund dieser Reaktivität fällt die Beförderung der Einlegesohlen unter das Gefahrgutrecht. Sie können der UN-Nummer UN 3190 (VGIII) zugeordnet werden (P002).“

In diese Klasse fallen allerdings auch Putzlappen die mit Leinöl getränkt sind. Diese fallen vor allem in der Farbeindustrie an. Noch schlimmer ist es mit sogenanntem Halböl (1:1 Leinöl & Terpentin). Dieses entzündet sich bereits unter 100 °C wobei das reine Leinöl erst bei oberhalb von 300 °C entflammt.

Ausserdem gehören hier auch diverse Kohlen und Anthrazit dazu sowie Kohlestaub.

(Unter-)Klasse 4.3

  • Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündetbare Gase entwickeln

Zu dieser Gruppe gehören zB. die Alkalimetalle, wie Lithium (UN 1415), Kalium (UN 2257), Natrium (UN 1428) usw. Aber natürlich auch alle anderen Stoffe die bei der Berührung mit Wasser entzündetbare Gase entwickeln. Kommt es zu einer explosionsfähigen Mischung dieser brennbaren Gase mit dem Luft Sauerstoff reicht eine kleine Zündquelle für den grossen Knall. Bei mancher dieser Stoffe, braucht es keine externe Zündquelle, da das Material selbst so heiss wird, dass sich das Wasserstoff-Luft-Gemisch entzünden kann.

Für die Zuordnung zu dieser Klasse 4.3 ist es absolut unerheblich ob es sich bei den Stoff um eine Flüssigkeit einen Feststoff oder gar um einen Gegenstand handelt. Oft wird leider davon ausgegangen, dass es, weil Klasse 4, ein fester Stoff sein muss. Dabei handelt es sich aber um eine Fehlinformation.

Sehr oft haben Stoffe der Klasse 4.3 eine weitere Zusatzgefahr. Nicht selten handelt es sich dabei um klasse 6.1 giftig.